Studienabschnitt II

Entwurfs- und Seminarangebote im Wintersemester 2019/20

                   

Entwürfe

Besucherzentrum für das Welt-Saatgut-Archiv auf Spitzbergen

Spitzbergen (Svalbard) liegt weit nördlich des Polarkreises und hat aufgrund seiner geografischen Lage und Zugehörigkeit zu Norwegen große Bedeutung für die Erforschung der Arktis. Im Laufe seiner Geschichte hat sich die Inselgruppe vom Walfänger Stützpunkt zum Mekka der Arktisforschung entwickelt. Sie gilt nicht nur als idealer Stütz- und Ausgangspunkt für Expeditionen ins arktische Eis, sondern auch als hervorragendes Beobachtungsgebiet der schnell fortschreitenden Klimaerwärmung im empfindlichen Ökosystem der Arktis.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie sich das Bauen an diese extreme Umgebung und die sich stark verändernden Klimabedingungen anpassen muss. Ziel der Entwurfs-/Projektarbeit ist es, zukunftsweisende Gebäudekonstruktionen zu entwickeln, die ein Leben im arktischen Klima ermöglichen. Es werden daher im Gegensatz zum statischen Architekturverständnis neue dynamische Lösungen für Hülle und Konstruktion gesucht.
Der Entwurf ist mit einer Exkursion vom 03.10. bis 11.10. nach Spitzbergen verbunden. Die Studierenden sollen Einblicke in die lokale Bauweise erhalten und die Anforderungen an eine adaptive Architektur kennlernen. Die so gewonnenen Erkenntnisse dienen als Grundlage für den Semesterentwurf eines Besucherzentrums für das weltbekannte Saatgut-Archiv auf Spitzbergen. Neben dem Besucherzentrum soll auch ein Forschungslabor mit Unterkunfts-, Konferenz- und Laborräumen für Forschergruppen sowie ein Gewächshaus als Experimentierfeld des Saatgut-Archivs entstehen.
Mit der Teilnahme am Entwurf ist die Belegung des zugehörigen Seminars „Hüllsysteme für extreme Klimazonen“ verpflichtend.

 

Termine: Donnerstags, 14:00-17:00 Uhr

Lehrpersonen: Prof. Martin Ostermann + Mitarbeiter/-innen des Lehrstuhls

max. Teilnehmerzahl: 15 (Bachelor/Master)

 

MICROSHELTER

Ob Wandern, Waldbaden oder Mountain Biking - der naturnahe Tourismus in Deutschland erfreut sich immer größerer Beliebtheit.
Der 112 km lange Malerweg im Nationalpark Sächsische Schweiz stellt hierfür ein optimales Ziel dar. Mit seiner atemberaubenden Kulisse aus weiten Wäldern, tiefen Schluchten und surreal anmutenden Felsformationen zählt er zu den schönsten Wanderwegen Europas. Durch seine Gliederung in 8 Etappen bietet er vielfältige Möglichkeiten von kurzen Tagesausflügen bis zu mehrtägigen Wandererlebnissen.
Im Entwurf soll an drei Standorten entlang des Malerwegs je eine energieautarke, ressourcenschonende Kleinstunterkunft entwickelt werden. Die Aspekte Vorfertigung, Transport und die Spuren, die der Bau am Ort hinterlässt, sind im Entwurf zu berücksichtigen.
Die Besichigung der Standorte im Rahmen einer Kurzexkursion ist geplant.

 

Termine: Donnerstags, 16:00-18:30 Uhr

Lehrpersonen: Dipl.-Ing. N. Hoss, Dipl.-Ing. A. Müller-Puch

max. Teilnehmerzahl: 10 (Bachelor)

 

Bahnhof für den Deutschland-Takt am Flughafen Stuttgart

Am DLR - Institut für Fahrzeugkonzepte wurden unter der Projektbezeichnung NGT (Next Generation Train) Hochgeschwindigkeits-Personenzüge für den Fern- und Zubringerverkehr entwickelt.
In Zusammenarbeit mit dem DLR und Architekturstudierenden der Fakultät 1 soll unmittelbar am Flughafen Stuttgart ein Durchgangsbahnhof entwickelt werden, der einerseits dem Deutschland-Takt gerecht wird und andererseits mit bis zu 14 Durchgangsgleisen den Leitgedanken „Mehr Mobilität mit weniger Verkehr“ dadurch erfüllt, dass für die Passagiere optimale Umsteigemöglichkeiten zwischen den am Flughafen zusammengeführten europäischen Magistralen, den Fernbussen und dem Flugverkehr sowie dem regionalen Verkehr von Bahn, Bus und Stadtbahn geschaffen werden.
Die Entwurfsaufgabe besteht in der Entwicklung eines funktionalen und räumlichen Konzepts für die horizontale und vertikale Verknüpfung der unterschiedlichen Verkehrsträger sowie der Messe Stuttgart und insbesondere auch in dem konstruktiven Entwurf einer Bahnhofshalle, die als zukunftsfähige Infrastruktur der Aufgabe und der Umgebung angemessenen ist.
Der interdisziplinär betreute Entwurf kann als Einzelarbeit oder in Zweiergruppen bearbeitet werden.

 

Termine: Donnerstags, 14:00-17:00 Uhr

Lehrpersonen: Hon.-Prof. Friedrich Grimm, Dr.-Ing. Joachim Winter (DLR), NN (ITKE)

max. Teilnehmerzahl: 20 (Bachelor/Master)

 

Seminare

Hüllsysteme für extreme Klimazonen

Das Seminar wird als Vertiefung zum Entwurf „Besucherzentrum für das Welt-Saatgut-Archiv auf Spitzbergen“ angeboten und ist integraler und verpflichtender Bestandteil der Lehrveranstaltung. Zur Teilnahme zugelassen werden ausschließlich Entwurfsteilnehmer/-innen.

Die Fassade als Grenzschicht zwischen Innen- und Außenraum trägt entscheidend zur positiven Energiebilanz eines Gebäudes bei und stellt besonders in arktischen Regionen die Grenze zwischen habitabler und lebensfeindlicher Umgebung dar. Sie kann passiv, also durch Verschattung, Ausrichtung, Speichermasse etc., aber auch aktiv durch Energiegewinnung, dazu beitragen, den Energieverbrauch eines Gebäudes zu minimieren. Sie muss sich den verschiedenen Anforderungen von Mitternachtssonne und Polarnacht in Spitzbergen, aber auch den individuellen Bedürfnissen der Nutzer /-innen anpassen können, also „adaptiv“ sein.

Vor diesem Hintergrund werden in dem Seminar verschiedene Konstruktionsprinzipien von Fassaden für extreme Klimata untersucht. Anhand der im Entwurf erarbeiteten Konzepte und Lösungen soll die Hüllkonstruktion vertieft bearbeitet und dargestellt werden. Das Seminar wird in Form von Workshops und einem zweitägigen Firmenaufenthalt von Fassadenspezialisten der Firma Gartner begleitet.

 

Termine: Donnerstags, 14:00-15:30 Uhr

Lehrpersonen: Prof. Martin Ostermann + Mitarbeiter/-innen des Lehrstuhls

max. Teilnehmerzahl: 15 (Entwurfsbegleitend: Bachelor/Master)

 

Konstruieren mit Schaum

Schaum ist eine Vielzahl von aneinanderhaftenden gasförmigen Bläschen, die von festen oder flüssigen Wänden eingeschlossen sind. Schaum hat keine Kanten, mehr noch keine festen Umrisse, keine beschreibbare Form. Er ist vergänglich, unbeständig, porös, löst sich auf. Schaum gibt auf Druck nach, ist leicht und weich. Seine Struktur ist richtungslos, er ist frei formbar und bearbeitbar. Er reagiert unvorhersehbar, reflektiert Schall, dämpft und dämmt.
Im Seminar soll Schaum als raumbildendes Material untersucht werden. Ausgangsmaterial ist ein biobasierter, industriell kompostierbarer Hartschaum, der zurzeit in der Verpackungsindustrie zum Einsatz kommt. Vom Schäumen über Erhitzen zum Schneiden erkunden wir die Möglichkeiten der Materialherstellung und -verarbeitung. Ziel ist es, modulare Systemteile zu entwickeln, die sich zu einer raumbildenden Struktur zusammenfügen lassen. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Entwicklung von Details zur Fügung des Materials, die trotz seiner Weichheit eine sichere Verbindung ermöglichen. Für die Herstellung der Module werden digitale und analoge Fertigungstechniken verwendet.

 

Termine: Donnerstags, 10:30-13:00 Uhr

Lehrpersonen: Prof. Martin Ostermann + Mitarbeiter/-innen des Lehrstuhls

max. Teilnehmerzahl: 15 (Bachelor/Master)

 

Gebäudeintegration von solarer Wärmegewinnung

Wie können wir mittelfristig in unseren Städten heizen, ohne fossile Energien (Öl und Gas) zu verwenden?
Eine der wenigen hierfür zur Verfügung stehenden erneuerbaren Energiequellen ist die Sonne. Um genügend Wärme zum Heizen zu erzeugen, sind insbesondere bei mehrgeschossigen Gebäuden die Dachflächen nicht ausreichend. Daher sind auch Fassaden für eine solare Wärmeerzeugung zu aktivieren. Es werden deshalb Konzeptionen gesucht, wie Systeme zur solaren Wärmeerzeugung in gängige Fassadenkonstruktionen integriert werden können.
Zu Beginn des Seminars wird durch mehrere Vorlesungen in das Thema eingeführt. Durch eine hierauf folgende Analyse der bestehenden Möglichkeiten und Produkte für eine solarthermische Gebäudeintegration wird der aktuelle Stand der Technik exemplarisch dargestellt. Auf Basis dieser Ergebnisse sollen Konzepte zum Einsatz solarthermischer Systeme in Fassadenkonstruktionen untersucht werden. Ziel ist, ein Konzept für eine qualitativ hochwertige, dabei aber auch kostengünstige architektonische Lösung zu entwickeln, die eine gebäudeintegrierte solare Wärmegewinnung ermöglicht.

 

Termine: Donnerstags, 15:30-17:00 Uhr

Lehrpersonen: Dipl.-Ing. Dirk Mangold

max. Teilnehmerzahl: 20 (Bachelor/Master)

 

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