DIY vs. DDIY

Seminar IBK Sommersemester 2016

In der Architektur erlebt die Kultur des „Selbermachens“ und die damit verbundenen Aneignungsprozesse eine neue Dimension, die sich allmählich auch auf die gesamte Architekturproduktion auswirken. Festgefügte demokratische Entscheidungsstrukturen und -prozesse erleben aktuell, insbesondere in städtebaulichen Fragen, einen gravierenden Wandel.

Es emanzipiert sich eine Stadtgesellschaft von Akteur*innen, die gegenüber den eingeübten Verwaltungsprozessen der Stadtentwicklung nicht nur eine kritische Haltung einnehmen und mehr Beteiligung einfordern, sondern mittels prozesshafter Eigenentwicklungen prototypische Modelle realisieren. Diese Form der Aneignung erfolgt sowohl aus direkter lokaler Betroffenheit und Eigeninteresse als auch aus sozialer Verantwortung für die Stadt.

Die treibenden Kräfte dieser Form der Stadtentwicklung sind dabei nicht notwendigerweise die ausgebildeten Spezialisten aus Architektur und Stadtplanung, die Projektentwicklung findet zumeist in einem interaktiv arbeitenden Kreis von Amateur*innen statt, die Qualität der entstehenden Prototypen speist sich aus einem partizipativ arbeitenden Netzwerk, also mit den Akteur*innen vor Ort und einem kritischen Bewusstsein für Know-How-Transfer durch Spezialist*innen.

In Anschauung verschiedener D.I.Y.-Projekte wollen wir diese einer kritischen Analyse unterziehen. Gleichzeitig wollen wir der Frage nachgehen, wie gewonnene Erfahrungen aus der „Do-It-Yourself“-Kulturpraxis genutzt werden können, also inwieweit die entstandenen Prototypen auch als Modelle für Strategien einer zukünftigen Stadtentwicklungspolitik anwendbar sind. Im Rahmen von Exkursionen besuchen wir Praxisbeispiele und sprechen mit Akteur*innen alternativer Projektentwicklung im Selbstbau.

Betreuung: Prof. Jens Ludloff, Dipl.-Ing. Wulf Kramer

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