Glastreppe

Erfahrungen aus unterschiedlichsten Forschungsprojekten flossen in die Konzeption der Treppe ein. Die heute üblichen Glaskonstruktionen trennen oftmals noch zwischen linearen Verbindungselementen aus Stahl oder Aluminium und der flächigen Verglasung. Diese Art der Konstruktion nutzt das konstruktive Potential des Glases nicht vollständig aus. Für einen ganzheitlichen Konstruktionsansatz ist ein kraftschlüssiger Verbund erforderlich, wofür sich die Klebe- bzw. Laminiertechnologie als ideale Fügetechnik anbietet. Dank der neuartigen, hochtransparenten Verfahren scheinen die Glasscheiben vor den auf das konstruktiv notwendige minimierten Beschlagteilen zu schweben - in Wahrheit bilden sie eine kraftschlüssige Einheit. Durch die Verbindungstechnik werden die einzelnen Elemente zu einer tragfähigen Gesamtkonstruktion gefügt, gleichzeitig wird aber auch die Montage bzw. Demontage ermöglicht. Die Glastreppe ist nicht nur ein Objekt der angewandten Forschung, sondern versteht sich als Beitrag diese neue Technologie in Architektur und Design zu verankern.

Die Konstruktion wurde in enger Zusammenarbeit und ständigem Dialog zwischen dem IBK Forschung + Entwicklung, dem ITKE Forschung und Anwendung und der Firma seele entwickelt. Der Treppenlauf beschränkt sich auf nur zwei Elemente, die Wangen und die horizontalen Stufen. Die Beanspruchung der Wangen teilt sich in zwei wesentliche Bestandteile. Erstens, in die eines Einfeldträgers unter vertikaler Belastung mit einer Spannweite von 8 m und zweitens in die eines eingespannten Geländers mit einer horizontalen Belastung (Holmlast). Die Verbindung der ausschließlich horizontalen Stufen mit den Wangen erfolgt gelenkig und wirkt dadurch beiden Beanspruchungen entgegen. Die gesamte Treppe wurde anhand von Modellen und aufwendigen Berechnungen mit Finiten Elementen entwickelt.

Für die Fügung der Treppe waren im Wesentlichen drei konstruktive Details, das untere und obere Auflager der Wangen, sowie der Anschluss der Treppenstufen an die Wangen zu lösen. Im konstruktiven Glasbau werden für Anschlussdetails meist gebohrte Punkthalter oder mechanische Klemmteller verwendet. Der Vorteil des Klebens dagegen ist, dass die Anschlusskräfte flächig eingeleitet werden und somit aufwendige und statisch schwierige Bohrungen in den Glaswangen entfallen. Die Elemente werden nur über kraftschlüssig laminierte Beschlagteile miteinander verbunden. Die hier verwendeten SGP-Folien können im Gegensatz zu PVB für lastabtragende Konstruktionen verwendet werden.

Auch wenn bis zu einer zukünftigen Zulassung dieser Bauweise noch umfangreiche Untersuchungen hinsichtlich der Alterungsbeständigkeit durchzuführen sind, zeigt die Treppe das große Potential dieser neuen Klebetechnologie. Dies wurde auch durch den Innovationspreis Glas und Architektur der Messe Düsseldorf, mit dem die Treppe ausgezeichnet worden ist, und vor allem durch das große Interesse der Messebesucher bestätigt.

 

Laufzeit: 2004 - 2006
IBK2 I Forschung + Entwicklung
ITKE

seele GmbH & Co. KG

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