Bauklasse Holz - Diversität im Holzbau

Seminar IBK Wintersemester 2021 22

Holzbau und Forstwirtschaft sind nicht zu trennen, der Umbau des Waldes hat längst begonnen, die Zyklen der Forstwirtschaft erfordern ein Denken in größeren Zeitabschnitten. Der aktuelle Waldbestand, die Quelle für den Rohstoff Holz, ist massiv von den Folgen des Klimawandels betroffen. Insbesondere die Fichte, das in Deutschland am häufigsten verwendete einheimische Bauholz, leidet stark unter den Wetterextremen in Folge der Klimaveränderungen. Die Antworten, wie ein ökologisch nachhaltiger, standort- und damit klimagerechter Wald zukünftig aussehen muss, sind vielfältig. In jedem Fall wird ein artenreicher Mischwald als Dauerwald benötigt, der eine Bewirtschaftung unter Entnahmen anstatt mittels Kahlschlag vorsieht. Auch aus diesem Kontext heraus müssen Wald und Bau zusammen gedacht werden, ein verändertes Holzangebot verändert zwangsläufig auch die Architektur.

Ausgehend von der vorhandenen Biodiversität, bezogen auf Gehölze und deren Vielfalt, muss uns wundern, wie wenig wir diesen biologischen Reichtum, als Evolutionsprozess der Anpassungsleistung an spezifische Grundlagen, für das Konstruieren mit Holz nutzen.

Auch wenn das Eingeständnis schwerfällt, beim Bauen mit Holz stehen Architektinnen und Architekten, Ingenieurinnen und Ingenieure, aber auch die Bauindustrie, noch ganz am Anfang der zwingend notwendigen Entwicklung aus Holz (und Bambus) den Massenbaustoff des 21 Jahrhunderts zu machen.

Unser Seminar will die Neugier auf die vielfältigen Eigenschaften unterschiedlicher Gehölze stillen und die Möglichkeiten für den Einsatz als Baumaterial eruieren. Dabei greifen wir sowohl auf aktuelle Forschungsergebnisse, auf verschüttetes Wissen aus der Baugeschichte, als auch auf Erfahrungswissen benachbarter Disziplinen wie dem Boots- und Flugzeugbau zurück.

So zeichnet sich z.B. Kastanienholz durch sehr hohe Festigkeitseigenschaften und Witterungsbeständigkeit aus, Buchenholz durch hohe Druckfestigkeit und leichte Verarbeitbarkeit, Eschenholz hingegen durch Elastizität und Biegsamkeit.

Im Seminar „Diversität im Holzbau“ werden von Ihnen in Zusammenarbeit mit der Materialprüfanstalt der Universität Stuttgart Hölzer und ihre Eigenschaften innerhalb von Versuchsreihen mittels praxisnahen Versuchsaufbauten ausgewertet. Dabei werden neben der Druck- und Zugfestigkeit auch Wuchs, Astreinheit und Resistenz (Dauerhaftigkeit) geprüft, um bisher ungenutzte Potentiale der Anwendung am Bau zu erschließen.

Die Ergebnisse der oben skizzierten Versuchsaufbauten und Recherchen werden in Anwendungsfälle der architektonischen Praxis übertragen, um modellhaft Lösungen für konstruktive Verbindungen entwickeln zu können.

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