Bauklasse Holz - Die Mathematik der Nachhaltigkeit

Seminar IBK Wintersemester 2021 22

Bis 1994 mit der Theorie der Biokapazität von Mathis Wackernagel und William Rees eine Matrix entstand, die das komplexe Ökosystem Erde als quantifizierbare Handelsware abbildete, war man an die endlose und gebührenfreie Nutzung des Ökosystems Erde gewöhnt. Menschliches Handeln bekam mit der Definition des ökologischen Fußabdrucks eine greifbare Dimension.

Das Anthropozän ist das Zeitalter, in dem der Mensch zum wichtigsten Einflussfaktor auf biologische, geologische und atmosphärische Prozesse der Erde geworden ist. Was wäre, wenn wir dem Ökosystem Erde grenzenlosen Wert beimessen und damit nicht mehr gezwungen wären im Anthropozän zu leben. Wir würden uns als selbstverständlichen Teil des Ökosystems Erde begreifen, die Voraussetzung wäre zunächst den Unterschied zwischen Wert und Preis zu verstehen.

Die vom Weltklimarat (IPCC) errechneten noch verbleibenden CO2-Budgets zur Begrenzung der Klimaerwärmung auf 1,5°C werden von Deutschland mit der aktuell gültigen Klimapolitik weit verfehlt. Ist eine Quantifizierung von Nachhaltigkeitsfaktoren mit konkreten Budgets nötig, um allen Beteiligten eine Richtlinie zu geben, an der wir uns orientieren können?

Da der Bausektor für ca. 40% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, tragen Architektinnen und Architekten eine große Mitverantwortung für mehr Nachhaltigkeit. Deshalb stellt sich die Frage, wieviel Orientierung wir als Planerinnen und Planer von den uns aktuell zur Verfügung stehenden Werkzeugen der Zertifizierung nach DGNB, BREEAM, Leed etc. bis zur Ökobilanzierung (Lebenszyklusanalyse) erwarten können. Inwieweit ist Nachhaltigkeit, also nachhaltendes Handeln qualifizier- und quantifizierbar?

Die Wissenschaft toleriert Ungenauigkeiten, aber keine Kompromisse, demokratische Prozesse sind ohne Kompromiss nicht vorstellbar, welche Rolle können in diesem Dilemma Zertifizierungssysteme leisten?

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